Hannibal ist ganz weit weg gezogen, nach Wien. Leider können wir Ihn nicht oft sehen und vermissen den kleinen Wunderschönen Mann sehr.
Aber... Hannibal ist so nett und schreibt uns nette Berichte wie es ihm geht und so ist es nicht so schlimm das er so weit weg ist. Wir möchten alle teilhaben lassen an Hannibals Berichten.
Hannibal schreibt am 4. März:
Meine Geschichte der anderen Art oder
auch Hunde haben einen Kreislauf
von Hannibal Knautschnase
Ich denke, es ist für die Abfassung meiner Memoiren noch etwas zu früh. Aber es gibt Dinge, die müssen gesagt und festgehalten werden. Schließlich geht es um die Einhaltung elementarer Hunderechte und da kann man nicht früh genug anfangen, sie immer wieder vehement einzufordern.
Als ich 10 Wochen alt war, mochte mich meine Mama nicht mehr haben. Ich rannte hinter ihr her und wollte mit ihr spielen, aber sie lief fort und überließ mich meinen doofen Geschwistern, mit denen ich mich ständig herumbalgen musste und die mir immer meine angestammten Plätze streitig machten.
Es wurde Zeit, dass etwas geschah, als ein Typ bei meiner Familie auftauchte, der mich unter meinen Geschwistern ständig verwechselte, obwohl ich doch schon ein ganz markant eigenständiges Aussehen hatte. Da war auch eine Typin dabei, die ich gleich ins Herz geschlossen habe. Sie ging mit mir um, wie ich es eigentlich für angemessen halte, also sie schmuste mit mir, gab mir Leckerlis, redete mir freundlich zu und ging auf jedes Spielchen ein. Schade, dass sie bald wieder weg war. Ich habe sie mir aber gemerkt und sie wird sicher bald wieder kommen.
Autofahren mag ich ganz gerne. Das habe ich früh gelernt und so macht es mir nichts aus, wenn es auch über Stunden kreuz und quer oder geradeaus geht. Ab und zu muss ich aber mal raus und dann bin ich verwundert, dass die Umgebung jedes Mal anders aussieht. Da gibt es eigentlich eine Menge zu beschnüffeln, aber immer heißt es Klappe zu und weiter geht’s.
Die erste Nacht im neuen Heim war schon arg. Alles fremd, keine vertraute Seele und viele neue Gerüche. Wenn ich doch nur nicht so müde gewesen wäre. Ich beschloss, es bei ein paar Winslern zu belassen und mich erst mal auszuschlafen. Das Jaulen konnte ich ja auf morgen verschieben.
Dazu kam es dann aber gar nicht. Alles war viel zu aufregend und musste sorgfältig erschnüffelt werden. Ich ging da Stück für Stück ganz systematisch vor. Wie sollte ich mir das bloß alles merken? Also nahm ich mir Zimmerabschnitt für Zimmerabschnitt vor, Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden. Das Esszimmer, der Flur und die Küche kommen dann später mal dran.
Es dauerte nicht ganz eine Woche, da hatte ich mein neues Revier im Wesentlichen erforscht. Der Typ war ständig um mich herum. Er brachte mir Futter und ging mit mir Gassi auf die Wiese vor dem Haus. Wenn ich mein Geschäft erledigt hatte, lobte er mich überschwänglich und gab mir Leckerlis. Ich fand seine Begeisterung manchmal etwas übertrieben, schließlich machte ich ja nur, was ich machen musste, aber wenigsten wusste ich jetzt wohin.
Wenn der Typ mich ruft, komme ich sofort angerannt. Schließlich gibt es Leckerlis und Streicheleinheiten. Das liebe ich sehr. Der Typ nennt mich dann „sein Hundi“, krault mich zwischen den Vorderbeinen und lästert über meine Knautschnase. Beim Gassi gehen hatte er zu lernen, mich ausgiebig schnüffeln und gucken zu lassen. Man muss sehr viel Geduld mit ihm haben. Die vielen großen und kleinen Autos auf der Strasse machen einen höllischen Lärm und stinken fürchterlich. Vor allem diese Knatterräder kann ich gar nicht leiden und ich komme richtig in Panik, wenn sie um mich herum kreisen. Aber ich will ja mal ein richtiger Großstadthund werden und da gehören solche Belästigungen wohl einfach dazu.
Nach der Schneeschmelze musste ich im Garten die nun weich gewordenen Beete durchwühlen, um zu erkunden, was es da alles unter der Erde gibt. Dann aber schnell wieder in die warme Wohnung und über die Teppiche. Schon gab es Ärger. Der Typ fing mich an der Tür ab und wollte doch tatsächlich meine Pfoten in eine Wanne mit Wasser stellen. Also, ich muss sagen, es gibt Grenzen, die eingehalten werden müssen. Einen Shar-Pei stellt man nicht ins Wasser, auch nicht mit den Pfoten. Warum wusste das der Typ denn nicht und musste es sich erst von meiner Familienmami sagen lassen! Später haben wir uns darauf verständigt, dass er in solchen Ausnahmefällen meine Pfoten mit einem Handtuch abreiben darf, aber nur solange, wie ich die ausgestreuten Leckerlis auflecke.
Eine Großstadt unterscheidet sich vom Land, wo ich herkomme, durch die vielen Beine. Das kannst Du Dir nicht vorstellen, überall Beine, die völlig wahl- und sinnlos hin und her rennen und die ich nicht mal in Ruhe beschnüffeln kann. Und dann ringsherum hartes Pflaster und Beton ohne einen Baum oder auch nur ein Stück Wiese zum Pipimachen. In die großen Räume musste mich der Typ erst einmal hinein tragen, mir gut zureden und erklären, dass mir gar nicht passieren kann. Das habe ich inzwischen akzeptiert, aber die vielen Beine auch hier, der harte Boden und die völlig anderen Gerüche bringen mich jedes Mal wieder aus dem Häuschen. Oh Gott, ist das alles aufregend.
Dann kommen viele Leute, die sich niederknien und mich streicheln wollen. Sie stellen immer wieder dieselben törichten Fragen, welche Rasse ich bin, wie groß ich werde und wie alt ich denn sei. Auch werden viele Fotos von mir gemacht und ich zeige ihnen dann mein schönstes Knautschgesicht. Am liebsten sind mir die Kinder, die fragen, wie ich heiße und die gleich mit mir spielen wollen. Wenn ich dann jemanden zum Toben finde, rase ich mit ihm um alle Ecken.
Der Typ wird nun schon auch etwas eigener. Ich kann nicht alles mit ihm machen, was ich gerne möchte. Sein striktes „Nein“ bedeutet nein. Also kein Kuscheln auf dem Sofa, kein Betteln bei Tisch und kein Zerkauen der Teppichfransen. Na gut, damit kann ich leben. Beim Gassi gehen sagt er jetzt immer, wo es lang geht und nimmt keine Rücksicht, wenn ich mich hinsetze und erst mal nachdenken muss, wo ich hin will. Immer soll es nach seinem Willen gehen. Ich bin ein wirklich friedliebender Hund und mag eigentlich keinen Streit. Also handele ich nach der alten Devise: Mal gebe ich nach, mal setzt er sich durch. Damit fahre ich ganz gut. Er ist schließlich der Boss und muss es wissen.
Wenn es dann wieder nach Hause geht, bin ich total erledigt. Schnell kuschele ich mich in mein Körbchen, träume von neuen Abenteuern und muss mich ja nicht an meinem Schnarchen stören.
Fortsetzung kann folgen.
Wien, den 4. März 2010
Und die Fortsetzung kam am 29.03.2010
Erste Fortsetzung:
Der lange Winter heuer ist mir ganz schön auf den Wecker gegangen. Den Schnee habe ich gemocht, den kannte ich von zu Hause aus und bin gerne darin herum gestampft. Aber diese Kälte und Nässe und den eisigen Wind, der mir beim Türaufmachen um die Nase entgegen wehte, konnte ich gar nicht leiden.
Jeden Morgen gleich um sieben will der Typ mit mir Gassi gehen, auch wenn ich ihn ansehe und ihm klar zu machen versuche, dass man bei solch einem Wetter nicht mal einen Hund vor die Tür jagt. Erst muss ich mich dehnen und strecken. Auch Hunde haben einen Kreislauf. Ich setze mich in den Flur und sage ihm dann, er soll alleine gehen, ich bleibe in der warmen Wohnung. Aber ihr kennt ihn ja, er ist unerbittlich und ich gebe wie immer nach. Schließlich gibt es auch bei Kälte immer etwas zu schnuppern und erleichtern kann ich mich dann auch.
Jetzt ist es Frühling und ich kann im Garten auf Entdeckungsreise gehen. Wenn die Kinder von drüben kommen, gerate ich ganz aus dem Häuschen. Hinterher bin ich schön geschafft und rolle mich in meinem Körbchen zusammen oder ratze in der Sonne. Es muss die Frühjahrsmüdigkeit sein.
Inzwischen habe ich viel gelernt. Die Autos und Großstadtgeräusche stören mich gar nicht mehr. Ich kann Lift- und in Baumärkten auch auf den Rollbändern fahren, muss mich aber immer erst Mal hinsetzen und nachdenken, ob ich das wirklich machen soll. Im Restaurant warte ich artig unter dem Tisch, bis der Typ fertig gegessen hat. Wenn ich vorher und nachher meine Wiese habe, wo ich meine Aufregung los werden kann, geht alles glatt. Mit dem Anlegen des Beißkorbes hapert es noch etwas. Dieses Ledergitter um meine Schnauze herum ist aber auch zu scheußlich.
Der Tierarzt ist auch sehr freundlich zu mir. Da er mit mir schmust, lasse ich mich auf seinem Tisch willig untersuchen, denn ich habe gemerkt, dass mir gar nichts passiert. Inzwischen wiege ich 14,5 kg. Auch Hautrötungen an den Innenseiten meiner Vorderpfoten mussten behandelt werden, erst mit einem Shampoo und jetzt, hört Euch das mal an, mit Antibiotika-Tabletten, die mir der Typ weit in den hinteren Rachen stecken muss, da ich sie sonst gleich wieder ausspucke. Die Leckerlis, die ich dabei bekomme, machen die Sache aber eher verdächtig, da ich dann ahne, dass irgendetwas mit mir passiert. Aber wenn mich der Typ krault und streichelt, ist alles wieder gut.
Bald gehe ich wieder in den Kindergarten zu den anderen Hundis, mit denen ich wild herumtollen kann. Sie machen mir alles vor, wie man über einen Steg läuft oder durch eine Röhre kriecht. Aber das muss ich mir erst noch einmal überlegen, ob ich da mitmache. Zunächst begnüge ich mich damit, die Leckerlis, die mir meine Trainerin Sabine anbietet, aufzuschlecken und dann um das Hindernis außen herum zu laufen. So geht es nämlich auch.
Bis bald Euer Hannibal
29. März 2010
Zweite Fortsetzung:
Was soll ich Euch bloß berichten? Inzwischen ist so viel geschehen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Es wird wohl am besten sein, wenn ich Euch alles der Reihe nach erzähle.
Ich bin jetzt nämlich schon ein richtig großer (Jung-) Hund und bringe über 22 kg auf die Waage. Wann ich richtig ausgewachsen bin, kann ich nicht so genau sagen, aber ich werde es Euch mitteilen, wenn es soweit ist.
Zunächst, aber behaltet das mal für Euch, habe ich mir beigebracht, wie man als Hundemann richtig Pipi macht. Nicht mehr so weibisch wie vorher, sondern so, wie es nur richtige Männer können, also im Stehen mit Beinchen heben, ohne umzufallen. Beim Gassigehen interessiert mich am meisten, welche Kollegen vor mir an den Ecken waren und ich muss dann gleich beweisen, dass auch ich hier vorbeigegangen bin. Da solche Stopps sehr häufig vorkommen, muss ich mit meinen Vorräten in der Blase etwas haushalten und kann auch nicht mehr in den eigenen Garten damit gehen.
Dann ist etwas geschehen, das alle Beteiligte sehr aufgeregt hat. Beim Gassigehen bin ich einem ausgewachsenen Pit Bull Terrier begegnet und eigentlich wollte ich nur mit ihm freundschaftlich schnüffeln, aber der Blödmann fing gleich einen Streit an und verbiss sich, ohne loszulassen, in meinen Nacken. Gut, dass ich dort mit meinen Hautfalten dick gepolstert bin, so dass es nur zu einigen Wunden kam, die mir mein Hausarzt gleich behandelt hat. Zum Glück habe ich keine Scheu vor anderen Hunden entwickelt, aber der Typ passt jetzt beim Gassigehen ganz genau auf, mit welchem Kollegen ich schnüffeln und tollen kann und bei welchen ich lieber auf die andere Straßenseite ausweiche. Am liebsten sind mir gleichaltrige Kolleginnen und Kollegen, eine kleine weiße Pudeldame, der ich regelmäßig begegne, habe ich richtig gern.
Kaum waren meine Wunden im Nacken geheilt, passierte das nächste Malheur. Ich muss mir wohl beim Gassigehen etwas eingetreten haben, denn plötzlich hatte ich zwischen den Zehen meiner rechten Vorderpfote eine Wunde, die sich schnell entzündete und welche nicht abheilen wollte. Erst versuchte es mein Doktor mit Zugsalbenverbänden, aber die Wunde blieb offen und war nach wie vor entzündet. So kam es zur Operation. Ich bekam eine Spitze in den Nacken und weg war ich. Als ich aufwachte, trug ich an der Pfote einen dicken Verband und mir war richtig taumelig, so dass ich mich erst mal ausschlafen musste.
Wieder heilte die Wunde nicht ab und bei einem Kontrollbesuch drückte der Doktor eine fast 1 cm lange Strohgranne aus der Wunde. Na, ich kann Euch sagen, wie erleichtert wir alle waren, als die Ursache ans Tageslicht kam. Wieder hatte ich einen verbundenen Tapsefuß und als es soweit war, dass ich mal etwas Frischluft an die Operationsnarbe heranlassen musste, bekam ich einen großen Plastikschirm um den Hals gebunden, damit ich meine Wunden nicht auflecken und die Nähte selber ziehen konnte (was ich gern gemacht hätte, um den Zustand zu beenden). Inzwischen versorgte mich eine furchtbar nette Kollegin des Herrn Doktors, da dieser gerade zum ersten Mal Vater wurde. Auch die Arzthelferinnen von Dr. d’Orazio muss ich mal an dieser Stelle erwähnen, da sie nicht nur sehr fesch, sondern auch überaus liebevoll zu mir sind.
Der Vollständigkeit halber, aber das könnt Ihr gleich wieder vergessen, erwähne ich noch, dass ich beim Überstülpen der erwähnten schrecklichen Halskrause um mich schnappte und den Typen an der Hand erwischte. Er hat mich darauf furchtbar gebeutelt, sorry, es soll nicht wieder vorkommen.
Jetzt endlich sind wir dazu gekommen, eine Hundeschule zu besuchen und schlagartig wurde einiges anders. Mein Futter bekomme ich jetzt nur noch jeweils für maximal eine halbe Stunde hingestellt. Dann wird es einfach weggeräumt, egal wie viel ich davon gefressen habe. Das muss wohl so ’ne Erziehungsmaßnahme sein. Zum anderen bestimmt auf einmal der Typ, wann es eine Knuddel- oder Spielstunde gibt. Vorher hatte ich immer meine Bereitschaft dazu bei ihm bekundet und konnte also selber bestimmen, wann mir gerade danach war.
Die kompetente Hundetrainerin Marion am Schottenhof, wo wir jetzt sind, hat dem Typen erklärt, dass es bei uns beiden nur einen Boss geben darf und der Typ tut so, als ob ich das nicht bin. Aber damit sind die Beziehungen wieder mal geklärt und unser Verhältnis, das räume ich ein, ist sehr viel entspannter geworden. Ich lasse mich vom Typen überall abklopfen, er darf auch meine Zähne anschauen, in die Ohren gucken oder die Pfoten säubern, ohne dass ich nach ihm schnappe. Wenn er mir einen Beißknochen gibt und ihn dann wieder aus dem Maul nimmt, was Ihr ja auch nicht gerne hättet, reicht er mir dafür ein schmackhaftes Leckerli, so dass ich mich auf diesen Tauschhandel gerne einlasse, ohne zu murren.
Drei Mal am Tag, und da freue ich mich immer wahnsinnig darauf, gehen wir Gassi um die Häuser. Auch dabei hat sich gerade etwas geändert. Früher habe ich bestimmt, wann Halt zu machen und eine ausgiebige Schnüffelpause einzulegen ist. Auf einmal will der Typ bestimmen, in welchen Intervallen angehalten wird. Er bleibt aber immer dort stehen, wo es gar nichts zu schnüffeln gibt. Dass er das nicht merkt, wundert mich, denn solche Stellen, die eingehend mit der Schnuppernase zu erkunden sind, kann man doch schon von weitem riechen.
Die lange Hitze im Juli habe ich nicht so gemocht und bin beim Gassigehen immer ganz schön ins Hecheln gekommen. Jetzt ist es wieder kühler und eigentlich könnten wir mal in den Wald oder auf eine Wiese gehen, wo ich frei herumtollen kann.
Das wär’s mal wieder für heute. Bleibt gesund und denkt an mich. Ich habe Euch alle furchtbar lieb.
Euer Hannibal
Wien, Anfang August 2010
Dritte Fortsetzung:
Gestern war ich bei der Hundeschule in der Spielstunde und ich muss Euch mal erzählen, wie es dort zugeht und was man da alles lernen kann, damit Ihr es auch Euren Hundis beibringt.
Gekommen waren vier etwa gleichaltrige Kollegen und eine Kollegin, verschiedene Rassen und alle etwas größer als ich. Erst kamen wir einzeln auf der Hundewiese zusammen, ich natürlich als Erster, weil ich der Jüngste war, und dann alle zusammen, zunächst mit Beißkorb und dann ohne.
Das war eine Hetz. Endlich konnte ich mal frei auf die Kollegen zulaufen und ihnen zeigen, wer hier der Bessere ist (ich stellte mich quer vor sie, um ihnen den Weg zu versperren und damit Dominanz zu beweisen). Das ließen sich aber nicht alle gefallen und ich musste einsehen, dass ich mich auch einzuordnen hatte. So gab es ein aufgeregtes Gerenne und Gelaufe, wo jeder mit jedem um die Wette rannte.
Wenn mich bei diesem Spiel der Typ zu sich ruft, muss ich doch nicht gleich kommen, oder? Die Trainerinnen Gaby und Marion waren anderer Meinung und trieben mich in diesen Fällen mit so großen bunten Gummitellern dem Typ zu. Dort musste ich „Sitz“ machen, ihm auf Zuruf folgen, wenn er einige Schritte rückwärts gegangen war und wieder „Sitz“ machen, wenn ich bei ihm ankam. Ziemlich albern, nicht? Auch sollte ich sitzen bleiben, wenn er wegging und einer anderen Hundehalterin die Hand schüttelte. Ich weiß nicht, wozu das gut sein soll, wenn ich doch lieber mit den Hundis herumjagen will.
Da war von englischer Rasse auch eine Lady dabei, die sich genau so benahm. Sie legte sich flach auf den Rücken, streckte alle Viere in die Luft und ließ sich von den Rüden beschnüffeln. Die Trainerinnen nannten sie nur „die Hure“.
Übrigens, dass muss ich Euch mal sagen, mache ich zwar „Sitz“ auf Befehl, aber „Platz“ (= flach in Phinxstellung hinlegen) nur auf dem Teppich zu Hause. Wenn ich auf der Hundewiese „Platz“ machen soll, müsste man mir schon einen Perser unterlegen, aber einen echten bitte.
In der Einzelstunde mit Trainerin Marion haben wir dann mit dem Futterbeutel gespielt. Da hinein kommen Leckerlis der besten Art und wenn ich auf Befehl vom Typ „Sitz“ mache und Blickkontakt mit ihm aufnehme, darf ich mir den gefüllten, aber verschlossenen Futterbeutel holen und an der Leine mit ihm hin und her laufen. Wenn ich wieder beim Typen bin, soll ich den Beutel freiwillig aus dem Maul hergeben, damit er ihn öffnet und mir einen Teil der Beute abgibt. Na ja, so ganz klappt das noch nicht mit dem Hergeben. Ich denke, das müssen wir noch etwas üben.
Neulich trafen wir beim Gassigehen - zum ersten Mal seitdem ich hier bin - ein 6-Monate altes Shar-Pei-Madl. Sie war im Fell etwas dunkler als ich, hatte eine ganz schwarze Gesichtsmaske und ein ebenso pechschwarzes A….loch. Mir gefiel sie ganz gut, aber sie drehte sich weg und wollte absolut nichts von mir wissen, wo ich doch ein so fesches Shar-Pei- Mandl bin.
Gestern Abend war der Typ stinke sauer auf mich. Beim nach Hause kommen vom abendlichen Gassigehen lag vor der Haustür eine leere Papierpackung mir Stanniolpapier drin und weil mich der Hafer gestochen hatte, habe ich die Packung im Vorbeigehen aufgeschnappt und nicht mehr freiwillig hergegeben, auch nicht im Tausch gegen ein Leckerli. Der Typ wurde furchtbar wütend, zerrte an mir herum und wollte mir das Papier entreißen, was ihm aber nicht gelang. „Wozu zahle ich das viele Geld für die Hundeschule, wenn Du Dich immer noch nicht benehmen kannst?“ schnauzte er mich an und schleppte mich in die Wohnung, wo er gar nichts mehr von mir wissen wollte. Ich zog mich beleidigt und voller Scham in eine dunkle Ecke zurück und ließ mich den ganzen Abend nicht mehr blicken. In der Nacht habe ich dann gekotzt, aber das Stanniol kam nicht zum Vorschein.
Ich denke, ich habe Euch jetzt erst Mal genug von meinem aufregenden Leben erzählt und werde Euch weiter berichten, wenn es wieder etwas zu berichten gibt.
Bis dahin viele Grüße
von Eurem Hannibal
Wien, 18. September 2010
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